Eine Hernie – im Volksmund „Bruch“ – gehört zu den häufigsten Gründen für eine Operation. Wie ein Bruch entsteht, woran Sie ihn erkennen, wann Sie handeln sollten und welche Verfahren heute zur Verfügung stehen: ein verständlicher Überblick.
In 20 Sekunden verstanden
- Was eine Hernie ist: Gewebe tritt durch eine Lücke in der Bauchwand nach außen – meist als tastbare Vorwölbung an Leiste, Nabel oder einer alten Operationsnarbe.
- Sie heilt nicht von selbst: Eine bestehende Bruchlücke bildet sich nicht zurück und kann mit der Zeit größer werden. Dauerhaft verschließen lässt sie sich nur operativ.
- Wann es dringend wird: Lässt sich die Vorwölbung plötzlich nicht mehr zurückdrücken, schmerzt stark und kommen Übelkeit oder Erbrechen dazu, kann eine Einklemmung vorliegen – ein Notfall.
„Viele Betroffene warten lange, weil der Bruch am Anfang kaum stört. Dabei ist der günstigste Zeitpunkt für eine Operation der, an dem sie in Ruhe geplant werden kann – und nicht der Notfall mitten in der Nacht.“
Rangel Shahanski — Leitender Oberarzt, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Bürgerspital Wertheim
Was ist eine Hernie – und wie entsteht sie?
Die Bauchwand besteht aus mehreren Schichten aus Muskeln und festen Sehnenplatten. Sie hält die Bauchorgane an Ort und Stelle und muss dabei erheblichen Druck aushalten – beim Husten, beim Heben, beim Pressen. Entsteht in dieser Wand eine Lücke oder eine Schwachstelle, kann sich das Bauchfell durch diese Öffnung nach außen stülpen. Häufig folgt Fettgewebe, manchmal auch ein Stück Darm.
Mediziner unterscheiden dabei drei Bestandteile: die Bruchpforte (die Lücke in der Bauchwand), den Bruchsack (die ausgestülpte Bauchfellfalte) und den Bruchinhalt (das Gewebe, das hineinrutscht). Diese Unterscheidung erklärt auch, warum eine Hernie unterschiedlich stark auffällt: Solange der Inhalt frei zurückgleiten kann, verschwindet die Vorwölbung im Liegen oft wieder.
Angeboren oder im Laufe des Lebens erworben
Manche Bruchpforten sind angelegt: Beim Leistenbruch etwa nutzt der Bruch häufig einen anatomisch vorgegebenen Kanal, der beim Menschen ohnehin besteht. Andere Brüche entstehen erst später – etwa dort, wo eine Operationsnarbe die Bauchwand geschwächt hat. Beides zusammen macht Hernien zu einem sehr häufigen Krankheitsbild, das grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten kann.
Was einen Bruch begünstigt
- Angeborene Bindegewebsschwäche und familiäre Veranlagung
- Zunehmendes Lebensalter – das Gewebe verliert an Festigkeit
- Schweres Heben und körperlich fordernde Arbeit
- Chronischer Husten, etwa bei Raucherinnen und Rauchern oder bei Lungenerkrankungen
- Häufiges Pressen bei Verstopfung oder Problemen beim Wasserlassen
- Deutliches Übergewicht sowie Schwangerschaften
- Frühere Bauchoperationen – hier entstehen Narbenhernien
Wichtig zu wissen: Wird der Bruchinhalt in der Bruchpforte eingeklemmt, kann die Blutversorgung des eingeklemmten Gewebes unterbrochen werden. Anzeichen sind plötzliche starke Schmerzen, eine harte, druckempfindliche Vorwölbung, die sich nicht mehr zurückschieben lässt, sowie Übelkeit oder Erbrechen. In diesem Fall sollten Sie umgehend eine Klinik aufsuchen oder den Rettungsdienst rufen – eine Einklemmung ist ein Notfall.
Die häufigsten Bruchformen
Hernien werden danach benannt, wo sie auftreten. Die folgenden Formen machen den größten Teil aller Fälle aus – sie unterscheiden sich in Häufigkeit, Beschwerden und im Vorgehen bei der Behandlung.
Leistenhernie (Leistenbruch)
Die mit Abstand häufigste Form. Männer sind deutlich öfter betroffen als Frauen. Typisch ist eine Vorwölbung in der Leiste, die bei Belastung hervortritt und im Liegen häufig wieder verschwindet.
Nabelhernie (Nabelbruch)
Der Bruch tritt am Nabelring aus. Bei Säuglingen bildet er sich oft von selbst zurück – bei Erwachsenen nicht. Begünstigt wird er unter anderem durch Übergewicht und Schwangerschaften.
Narbenhernie (Narbenbruch)
Entsteht im Bereich einer früheren Operationsnarbe, manchmal erst Monate oder Jahre nach dem Eingriff. Die Bauchwand ist dort weniger belastbar als das ursprüngliche Gewebe.
Schenkelhernie
Tritt unterhalb des Leistenbands aus und betrifft häufiger Frauen. Die Bruchpforte ist eng, deshalb ist das Risiko einer Einklemmung hier vergleichsweise hoch – eine zügige Abklärung ist ratsam.
Seltener treten epigastrische Hernien in der oberen Mittellinie zwischen Nabel und Brustbein auf. Auch sie folgen demselben Prinzip: eine Schwachstelle in der Bauchwand, durch die Gewebe nach außen tritt.
Woran Sie eine Hernie erkennen
Viele Hernien machen zunächst wenig Beschwerden und fallen eher zufällig auf – etwa als weiche Vorwölbung, die beim Duschen ertastet wird. Andere äußern sich durch ein Ziehen oder Druckgefühl, das sich im Tagesverlauf und bei Belastung verstärkt. Charakteristisch ist, dass die Beschwerden beim Husten, beim Heben oder bei langem Stehen zunehmen und in Ruhe wieder nachlassen.
- Tastbare, meist weiche Vorwölbung an Leiste, Nabel oder Narbe
- Die Wölbung tritt beim Husten, Pressen oder Stehen deutlicher hervor
- Im Liegen verschwindet sie häufig wieder
- Ziehen, Druck- oder Fremdkörpergefühl im betroffenen Bereich
- Beschwerden nehmen bei körperlicher Belastung zu
Wie die Diagnose gestellt wird
In den meisten Fällen genügt das ärztliche Gespräch in Verbindung mit einer Tastuntersuchung – im Stehen und im Liegen, häufig unter Husten oder Pressen. Ergänzend wird eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt: Sie ist schmerzfrei, ohne Strahlenbelastung und zeigt Größe und Inhalt der Bruchpforte. Nur bei komplexeren Befunden, etwa bei großen Narbenhernien oder nach mehreren Voroperationen, sind zusätzliche Schnittbilduntersuchungen sinnvoll.
Behandlung: abwarten oder operieren?
Eine Hernie bildet sich nicht von selbst zurück. Auch Bruchbänder oder Bandagen verschließen die Lücke nicht – sie können den Bruch allenfalls vorübergehend zurückhalten und gelten heute nicht mehr als Behandlung. Dauerhaft verschließen lässt sich eine Bruchpforte nur operativ.
Das bedeutet nicht, dass jede Hernie sofort operiert werden muss. Bei kleinen, beschwerdefreien Leistenbrüchen kann ein kontrolliertes Abwarten vertretbar sein, solange die Entwicklung ärztlich beobachtet wird. Treten Beschwerden auf, wächst der Bruch oder besteht ein erhöhtes Einklemmungsrisiko, spricht das für einen planbaren Eingriff. Diese Abwägung trifft man am besten gemeinsam – nach Befund, Vorgeschichte und Lebenssituation.
Offene Verfahren
Beim offenen Vorgehen wird die Bruchpforte über einen Schnitt direkt dargestellt und verschlossen. Beim Leistenbruch ist die spannungsfreie Netzverstärkung nach Lichtenstein ein etabliertes Standardverfahren. Bei kleinen Nabelbrüchen kann die Lücke durch eine direkte Naht verschlossen werden. Größere Narbenhernien werden häufig in Sublay-Technik versorgt, bei der das Netz geschützt zwischen den Schichten der Bauchwand zu liegen kommt.
Minimalinvasive Verfahren
Beim minimalinvasiven – endoskopischen – Vorgehen wird über wenige kleine Zugänge operiert. Beim Leistenbruch ist die TAPP-Technik verbreitet, bei der die Bauchwand von innen verstärkt wird. Narbenhernien lassen sich laparoskopisch als IPOM versorgen. Der Vorteil kleiner Zugänge liegt in der Regel in weniger Wundschmerz und einer rascheren Rückkehr in den Alltag.
Warum meist ein Netz eingesetzt wird
Kunststoffnetze verstärken die Bauchwand großflächig und nehmen Spannung von der Naht. Bei Erwachsenen sind sie deshalb bei den meisten Hernien Standard, weil sie das Risiko eines erneuten Bruchs deutlich senken. Bei sehr kleinen Befunden kann ein Verschluss ohne Netz sinnvoll sein. Welche Variante infrage kommt, hängt von Größe und Lage der Bruchpforte, vom Gewebe und von der Vorgeschichte ab.
Leiste, Nabel, Narbe
Offen & minimalinvasiv
Netz oder Naht
Strukturiert, über Jahre
Hernienchirurgie im Bürgerspital Wertheim
Die Hernienchirurgie ist ein Schwerpunkt unserer Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Für diese Arbeit wurde das Bürgerspital Wertheim mit dem DHG-Siegel „Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ der Deutschen Herniengesellschaft ausgezeichnet – der ersten Stufe der Hernienzentrum-Zertifizierung.
Wir versorgen das gesamte Spektrum der häufigen Bauchwandbrüche: Leistenhernien offen nach Lichtenstein und endoskopisch in TAPP-Technik, Nabelhernien mit Netz oder durch direkte Naht, Narbenhernien offen in Sublay-Technik und laparoskopisch als IPOM. Welches Verfahren gewählt wird, besprechen wir vor dem Eingriff in Ruhe mit Ihnen.
Zur Zertifizierung gehört auch, dass unsere Hernienoperationen im bundesweiten Register Herniamed dokumentiert und über Jahre nachverfolgt werden. Damit werden nicht nur der Eingriff selbst, sondern auch die langfristigen Ergebnisse überprüfbar. Mehr über unsere Hernienchirurgie erfahren Sie hier.
„Kein Bruch gleicht dem anderen. Deshalb entscheiden wir nicht nach Schema, sondern nach Befund – und nehmen uns die Zeit, das auch zu erklären.“
Rangel Shahanski — Leitender Oberarzt, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Bürgerspital WertheimSie vermuten einen Bruch? Sprechen Sie mit uns
In unserer Sprechstunde klären wir in Ruhe, was bei Ihnen vorliegt und welche Behandlung sinnvoll ist. Der erste Schritt ist ein unverbindliches Gespräch.
FAQ – Hernien: häufige Fragen an unsere Chirurgie
Bei Säuglingen können sich Nabelbrüche in den ersten Lebensjahren von selbst verschließen. Bei Erwachsenen ist das nicht der Fall: Die Lücke in der Bauchwand bleibt bestehen und kann mit der Zeit größer werden. Dauerhaft verschließen lässt sie sich nur operativ.
Nein. Bei kleinen, beschwerdefreien Leistenbrüchen kann ein kontrolliertes Abwarten vertretbar sein, solange der Befund ärztlich beobachtet wird. Für einen planbaren Eingriff sprechen zunehmende Beschwerden, ein wachsender Bruch oder ein erhöhtes Einklemmungsrisiko – etwa bei Schenkelhernien.
Wenn die Vorwölbung sich plötzlich nicht mehr zurückschieben lässt, hart und sehr druckempfindlich wird, starke Schmerzen verursacht und Übelkeit oder Erbrechen hinzukommen, kann eine Einklemmung vorliegen. Suchen Sie dann umgehend eine Klinik auf oder rufen Sie den Rettungsdienst.
Beide Wege sind etabliert und sicher. Minimalinvasive Verfahren arbeiten mit kleinen Zugängen und ermöglichen oft eine raschere Rückkehr in den Alltag; das offene Vorgehen ist in bestimmten Situationen die bessere Wahl, etwa nach Voroperationen. Entscheidend sind Befund, Vorgeschichte und Ihre persönliche Situation – das besprechen wir vor dem Eingriff.
Bei Erwachsenen ist die Netzverstärkung bei den meisten Hernien Standard, weil sie Spannung von der Naht nimmt und das Risiko eines erneuten Bruchs deutlich senkt. Bei sehr kleinen Befunden – etwa manchen Nabelbrüchen – kann ein Verschluss durch direkte Naht ausreichen.
Ein Bruchband kann den Bruchinhalt allenfalls vorübergehend zurückhalten. Es verschließt die Bruchpforte nicht und verhindert auch keine Einklemmung. Als Behandlung gilt es deshalb heute nicht mehr; es kommt allenfalls in Ausnahmefällen zum Einsatz, wenn eine Operation nicht möglich ist.
Das hängt vom Verfahren, von der Größe des Bruchs und von Ihrer Tätigkeit ab. Leichte Bewegung ist meist früh erwünscht, schweres Heben dagegen für einen definierten Zeitraum zu vermeiden. Sie erhalten von uns vor der Entlassung eine konkrete Empfehlung für Ihren Fall.
Die operative Versorgung einer Hernie ist eine medizinisch notwendige Leistung und wird von den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen übernommen. Für die Behandlung im Bürgerspital Wertheim benötigen Sie in der Regel eine Überweisung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.
Wir melden uns bei Ihnen in der Regel schon binnen 1h zurück. Außerhalb unserer Geschäftszeiten am nächsten Werktag.


