Bürgerspital Wertheim: Positive Bilanz nach dem ersten Jahr

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Das Bürgerspital Wertheim blickt auf ein erfolgreiches erstes Betriebsjahr zurück. Geschäftsführer Alexander Gläser präsentierte die Ergebnisse bei einem gemeinsamen Treffen der Gemeinderäte aus Wertheim und Kreuzwertheim.

Intensive Aufbauphase gemeistert

Der 40-jährige Klinikbetreiber bezeichnete das vergangene Jahr als außerordentlich intensiv. Man sei mit großem Optimismus gestartet und habe erkannt, welche Herausforderung ein solches Projekt darstellt. Dank des engagierten Teams sei man mittlerweile sogar dem ursprünglichen Drei-Jahres-Plan voraus. Gläser zeigt sich zuversichtlich: Das Ziel, ein voll funktionsfähiges Krankenhaus zu etablieren, werde definitiv erreicht.

Beeindruckende Patientenzahlen

Die Statistik kann sich sehen lassen: Insgesamt wurden 6.828 Patienten behandelt. Davon waren 1.817 stationäre Aufnahmen, 4.487 Notfallpatienten und 282 Behandlungen im Bereich Adipositas. Besonders das zweite Halbjahr zeigte einen deutlichen Anstieg – allein im Dezember wurden fünfmal so viele Patienten versorgt wie im gesamten ersten Quartal. Die Notaufnahme behandelt durchschnittlich eine mittlere zweistellige Patientenzahl pro Tag, im Dezember waren es trotz Feiertagen 600 Notfallpatienten. Etwa 37 Prozent der Patienten stammen aus bayerischen Gemeinden.

Starkes Team aufgebaut

Das Krankenhaus beschäftigt inzwischen 166 Mitarbeiter, darunter 37 Ärztinnen und Ärzte sowie 101 medizinische Fachkräfte. Monatlich werden sechs bis zehn neue Mitarbeiter eingestellt – seit dem Tag der offenen Tür im September allein 51 Personen. Die ursprünglich geplante Zahl von 180 Mitarbeitern wird voraussichtlich überschritten werden.

Ein Großteil des ehemaligen Rotkreuzklinik-Personals konnte übernommen oder zurückgewonnen werden. Auch erfahrene Mediziner entscheiden sich bewusst für ein Engagement in Wertheim.

Medizinisches Leistungsspektrum erweitert

Neben dem Schwerpunkt in der Adipositasbehandlung hat sich das Angebot deutlich erweitert. Die Innere Medizin unter der neuen Chefärztin Dr. Barbara John verfügt über ein Team von fünf Fachärzten für Innere Medizin und Endoskopie – eine Qualität, die es laut Gläser so in Wertheim seit Jahrzehnten nicht gegeben hat.

Überraschend positiv entwickelte sich die Orthopädie: Mittlerweile arbeiten vier Wirbelsäulenchirurgen im Haus, ein fünfter wird erwartet. Auch bei Knie-Operationen wurden bereits die erforderlichen Mindestmengen erreicht, um diesen Bereich dauerhaft anbieten zu können.

Investitionen in moderne Technik

Das Krankenhaus investiert kontinuierlich in moderne Ausstattung: minimal-invasive Laparoskope für Bauchoperationen, endoluminale Laser für Krampfaderbehandlungen, Endosonografiegeräte sowie die Labormedizin werden ausgebaut.

Notaufnahme: 24/7-Betrieb als Ziel

Die Notaufnahme ist derzeit täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet und deckt damit bereits über 70 Prozent der Bedarfsfälle ab. Pflegestation, Intensivstation und Hintergrunddienste arbeiten bereits rund um die Uhr. Auch Notfall-Operationen sind mittlerweile täglich möglich.

Das Ziel eines 24-Stunden-Betriebs der Notaufnahme wird schnellstmöglich angestrebt. Dafür fehlt noch Personal in der akuten Unfallchirurgie, der Radiologie und im Notaufnahme-Team. Sobald diese Lücken geschlossen sind, kann der Rund-um-die-Uhr-Betrieb starten.

Ausbau geplant

Die Kapazitäten sollen weiter wachsen: Die Pflegestation soll von 80 auf 95 Betten erweitert werden, Gespräche über eine zusätzliche 15-Betten-Station laufen bereits. Außerdem ist die Reaktivierung eines dritten OP-Saals geplant.

Krankenhausreform: Alle Leistungsgruppen bewilligt

Im Rahmen der Krankenhausstrukturreform hat das Bürgerspital die Einstufung in elf Leistungsgruppen beim Landesgesundheitsministerium beantragt – und überraschend alle elf zugewiesen bekommen. Die Detailprüfung durch den Medizinischen Dienst läuft. Gläser betont, dass man im Vergleich zu anderen Häusern sehr weit fortgeschritten sei.

Gute regionale Vernetzung

Die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und umliegenden Kliniken funktioniert nach Aussage des Ärztlichen Direktors Dr. Gerhard Schüder sehr gut. Besonders das Klinikum Lohr habe in der Startphase viele Patienten übernommen und stehe weiterhin als Partner bereit. Kooperationen bestehen auch mit der Universitätsklinik Würzburg und dem Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim. Die Überweisungszahlen der lokalen Ärzte seien wieder auf dem Niveau früherer Jahre angelangt.

Wirtschaftliche Realität

Auf kritische Nachfragen räumte Gläser ein, dass das Defizit der Notaufnahme mit etwa vier Millionen Euro deutlich höher ausfallen werde als die öffentliche Unterstützung von 2,75 Millionen Euro. Dieses Defizit trage er persönlich zusammen mit seinem Geschäftspartner. Eine Wiedereröffnung der Geburtshilfe, wie von manchen gewünscht, sei wirtschaftlich nicht darstellbar – diese sei erst ab 1.000 Geburten jährlich kostendeckend, in Wertheim gab es zuletzt weniger als 300.

Ausblick

Für den Adipositas-Bereich rechnet das Krankenhaus 2026 mit rund 600 Patienten. Die Versorgungsqualität in Wertheim sei in 95 Prozent der Fälle vergleichbar mit Großkliniken, so Gläser. Die Patientenrückmeldungen seien überwiegend positiv – viele Patienten kommen bereits zum zweiten oder dritten Mal.

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